Reformationstag – aktuell wie selten

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Probsthagen...

 
Anne Riemenschneider

Als Kind hatte ich eine Brieffreundin. Wir verstanden uns gut, aber mich bedrückte, dass sie katholisch war. Irgendwie gehörte es sich nicht, als Evangelische mit einer Katholikin befreundet zu sein. Was uns verbindet, was uns trennt, wusste ich damals noch nicht. Das ist nun 50 Jahre her. Gott sei Dank hat sich in der Ökumene viel getan. So gibt es u.a. viele konfessionsverschiedene Ehen, die uns vorleben, dass das Gemeinsame unendlich viel stärker ist als das Trennende. Das spüren wir auch in den gemeinsam durchgeführten Exerzitien und in den Taizéandachten.
Und das sollten wir uns auch bei der Feier des Reformationstages am 31. Oktober bewusst vor Augen halten. Und so finde ich es schön, dass an diesem Tag in Bückeburg ein ökumenischer Tauferinnerungsgottesdienst gefeiert wird.
Leider ist der Reformationstag kein Feiertag mehr, dabei täte es uns so gut, uns auf die Fundamente unseres Glaubens zu besinnen und zu überlegen, was geändert werden sollte, denn um Änderung im Sinne von Verbesserung geht es an diesem Tag.

Die Formel „ecclesia semper reformanda“ gibt ein wesentliches Anliegen der Reformation wieder, auf Deutsch „die Kirche ist stets eine zu verändernde“. Damit meine ich nicht, dass sie sich dem Zeitgeist anpassen sollte, aber sie sollte sich kritisch überprüfen und deutlich zu Wort melden, wenn dies angesagt ist. Gott sei Dank tut sie es auch, z.B. im Blick auf die Flüchtlinge, die in unserem Land Schutz und Heimat suchen. Obwohl ich in so manchen Talkshows einen Vertreter der Kirche vermisse. Dabei haben wir doch so viel zu sagen, Zeugnis abzulegen von dem, der die Liebe Gottes bezeugt hat, für den schon als Ungeborener „kein Platz in der Herberge war“, der als Säugling mit seinen Eltern fliehen musste, um nicht von Herodes getötet zu werden und der auch als Erwachsener keinen Platz hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte.
Kirche wird nicht auf der Seite der Pegida zu finden sein, wohl aber beim Friedensgebet in der Dresdener Kreuzkirche.

Wir brauchen den Reformationstag in unserer Kirche dringend. Allerdings nicht, um uns von den Katholiken abzusetzen, sondern um gemeinsam verheißungsorientiert nach vorne zu sehen. Gehen wir in die Gottesdienste und beten darum, dass Gottes Reich komme und sein Wille geschehe.
Und lassen wir Ihn dann durch uns hindurch wirken.

Anne Riemenschneider, Pastorin in Probsthagen