Reich und arm - Auf die Perspektive kommt es an

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Probsthagen...

 
Anne Riemenschneider

„Ich wär so gerne Millionär“ heißt es in einem alten Schlager. Doch Geld alleine macht nicht glücklich. Oder etwa doch?
Ich möchte Ihnen von einem Mann erzählen, der eher zu den Reichen zählte. Er wollte seinem Sohn eine Lektion fürs Leben erteilen, die ihm äußerst wichtig war. Kurz zusammengefasst könnte man sie nennen: „Junge, lern was Anständiges, damit Du es zu etwas bringst und nicht eines Tages wie ein Armer leben musst.“
Er wusste, dass Worte allein nicht viel bringen, darum hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen.
Er nahm seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. So verbrachten die beiden einen Tag und eine Nacht auf der Farm einer sehr armen Familie.
Als sie wieder zu Hause waren, fragte der Vater seinen Sohn: „Nun, wie war dieser Ausflug?“ „Sehr interessant!“ antworte der Sohn. „Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?“ „O ja, Vater, das habe ich gesehen.“
„Was hast du also gelernt?“ hakte der Vater nach.
Der Sohn antwortete: „Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben Lampen in unserem Garten und sie haben unzählige Sterne am Himmel. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten, und sie haben den ganzen Horizont.“
Der Vater war sprachlos.
Da fügte der Sohn noch hinzu: „Ja, Vater, ich habe gesehen, wie arm wir sind.“

Da fragt man sich, wer hat hier wem eine Lektion erteilt? Und: wär ich wirklich gern ein Millionär? Ich glaube, viel wichtiger ist es, das Schöne zu sehen, was mir geschenkt ist -  in meiner unmittelbaren Umgebung. Und das ist eine ganze Menge und bietet allen Grund, glücklich und dankbar zu sein.

Anne Riemenschneider, Pastorin in Probsthagen