Religionen ade?

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Steinbergen...

 
R. Koller

Man könnte auf die Idee kommen, dass die gegenwärtige Welt in Ordnung wäre, wenn es keine Religionen geben würde, werden sie doch oft als Grund für das Entstehen von Konflikten angeführt. Der Gedanke ist zwar schön um des Friedens willen, aber wir ahnen, dass er doch unrealistisch ist. Religionen gehören zum Leben, wohl schon seit dem Auftreten des Menschen in der Evolution. Was geglaubt wird, das wird leider oft so hingebogen, dass es dem Hass und der Gewalt als Rechtfertigung dienen soll. Religionsinhalte werden als Mittel des Kampfes gegen Andersgläubige instrumentalisiert. Gott muss dafür herhalten, was die Sünde des Menschen ist.
Die Gläubigen aller Religionen aber haben die Chance, nach dem Frieden zu suchen, den ihre eigene Religion ihnen offenbart. Dafür gibt es hoffnungsvolle Aktionen. Und warum sollten wir bei uns selbst anfangen? Lesen Sie: In der Region des Piemont laufen die Menschen beim ersten Osterläuten zum Brunnen des Dorfes. Dort waschen sie sich die Augen aus. Die Ich-will-dich-haben-Augen, die Geh-mir-aus-den-Augen Augen. Sie wollen Osteraugen bekommen. Darum waschen sie die kalten, die gierigen, die listigen, die misstrauischen Blicke fort. Sie spülen die Schleier der Angst weg. Und das kalte Wasser schwemmt den Dreck eines langen Jahres heraus. Sie heben den Kopf und schauen sich mit guten Augen an. (nach Bernhard Langenstein). Irgendwo wird sich im übertragenden Sinn ein Brunnen oder eine Quelle finden lassen. Probieren Sie! Religionen sind etwas Gutes, weil sie die Chance zum Frieden in sich tragen und entfalten können.

Pastor Reinhard Koller, Ev.-luth. Kirchengemeinde Steinbergen