Sauberer Wettbewerb

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Engern...

 
Koller

Die Fußball-WM schafft eine enorme Begeisterung – keine Frage. Auch Fußballlaien (ich bin einer von ihnen) fiebern bei den Spielen der deutschen Mannschaft und auch bei anderen mit. Ich finde, das bereichert das Leben – nicht nur den Sport für sich, sondern die ganze Kultur einer Gesellschaft.
Klar – das Leben geht weiter – auch ohne tägliche WM. Vergessen wir nicht den Wettbewerb, der auf ganz anderer Ebene tobt: der Kampf ums Überleben der Armen in Brasilien und anderswo. Da muss die Frage gestellt werden:
Verdient eine sportliche Weltgemeinschaft und die FIFA das Attribut der Fairness, wenn sie nicht  Einfluss nimmt auf gute  Lebensvoraussetzungen der Menschen in dem Land, in dem eine WM stattfindet?

Es kann nicht sein, dass  klebstoffsüchtige Straßenkinder  vor und während der WM verschwinden, während der große Fußball „sauber“ bleiben soll.  Diese Schizophrenie darf real nicht entstehen.
Klar, da wird der Sport politisch. Soll er das etwa nicht sein? Warum denn nicht – genauso wie die Kirchen in diesem Sinne politisch wirken müssen – für das Gemeinwohl der Menschen, denn ihre gute Botschaft ist nicht ausschließlich für die Ewigkeit bestimmt.
Die Möglichkeit, gerechtere Lebensbedingungen gerade für die Menschen zu ermöglichen, in deren Land ein sportliches Großereignis stattfindet, muss man als Ziel konsequent verfolgen. Uns, die Spaß am Fernseher haben, sollte das nicht gleichgültig sein.  

Reinhard Koller,  Pastor in Engern