Schätze der Kirche

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 
Jan Peter Hoth

Kürzlich war ich Gast bei einem Festabend zum Abschluss eines Kirchenkongresses. Ein unterhaltsamer Abend mit Essen, Gesprächen und einem Varietee-Programm. Zum Ende - die Künstler stehen noch auf der Bühne - bittet ein Bischof, zum Abschiedssegen aufzustehen. Er fordert uns auf, „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Und 800 Menschen singen mehrstimmig und auswendig drei Strophen. Ein Gänsehauterlebnis. Den Künstlern auf der Bühne ist das Erstaunen darüber ins Gesicht geschrieben. Das erlebt man nicht alle Tage!

Welchen Schatz haben wir in unserer Kirche, geht es mir dabei durch den Kopf. So viele unterschiedliche Menschen, die den Tag über sehr kontrovers darüber diskutiert haben, wie es mit der Kirche weitergehen soll, die finden hier zusammen in einem alten Lied. Sie singen Gemeinschaft. Ganz selbstverständlich.
Gut, dass wir diesen Schatz als Kirche noch pflegen, denn wo ist so etwas sonst noch möglich? Den Tag über hatte ich mich über manche Äußerung meiner Kirche auch geärgert. Jetzt erlebte ich diese Gemeinschaft eigentlich fremder und sehr unterschiedlicher Menschen sehr wohltuend.
„Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn.“ Gut, dass diese Worte nicht vergessen werden, die wir da gemeinsam singen. Ja, ich urteile oft sehr schnell über Sinn und Unsinn von Reden und Handeln anderer. Auch über die Kirche. Aber mein Blickwinkel ist doch sehr begrenzt. Vieles bleibt mir verborgen. Und dadurch urteile ich oft ungerecht. Gott, daran erinnert mich dieses Lied, urteilt barmherziger als ich. Weil er uns immer ganz sieht.
Und beim Singen spüre ich, dass es sich lohnt, diese Schätze der Kirche auch weiter zu bewahren.

Jan Peter Hoth,
Pastor im Landeskirchenamt