„Self-made-Götter“

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

Ich lese den letzten Satz aus „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Harari. „Gibt es etwas Gefährlicheres als unzufriedene und verantwortungslose Götter, die nicht wissen, was sie wollen?“ Harari geht nicht von der Existenz transzendenter Mächte aus, dafür von einem Scheidepunkt an dem sich die Menschheit befindet: dank Biotechnik, Cyborgtechnik und künstlicher Intelligenz stehen dem Homo sapiens offenbar bald die Türen zu sogenannter göttlicher Macht offen. Was wird er mit ihr anfangen und inwieweit wird sie ihn selbst verändern? Wieweit kann in menschliches Leben eingegriffen werden, ohne dass die Menschlichkeit als solche verlorengeht? Für den Historiker sind wir Menschen „Self-made-Götter“, mächtig und gefährdet zugleich.

Wissenschaftliche Suche nach verbesserten medizinischen und technischen Möglichkeiten wird immer von dem uralten Traum nach Unsterblichkeit begleitet werden. Er hält es für möglich, dass so ganz neue Lebensformen entstehen, die den jetzigen Menschen mit seinem Bewusstsein, seinen Werten und seinen religiösen Vorstellungen ablösen.

Als Christin sehe ich das Weltgeschehen aus einer anderen Perspektive. Wie Harari sehe ich uns mehr denn je in Reflexionsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein gefragt. Anders als er glaube ich an einen Gott, der jeden einzelnen Menschen mit Namen kennt und seine einzigartige Persönlichkeit bewahrt. Auch unsere Verantwortung sehe ich persönlich: sie beginnt nicht erst im Genlabor, sondern in vielem Kleinen, Alltäglichen. Wir stehen vor dem Angesicht unseres Schöpfers mit allem, was uns ausmacht. Nach Harari wird es uns helfen ganz Mensch sein zu wollen. Mir als Christin hilft es vor allem, als Mensch ganz bei Gott sein zu wollen und in ihm alles, was lebt, geborgen zu wissen.

Thien Huong Nguyen-Fürst, Pastorin in Stadthagen