Sorgen hin, Sorgen her

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen...

 

J. Böversen

Die Sorge will aus schlimmen Erfahrungen lernen und sich gegen schlimme Erfahrungen absichern. Sie blickt zurück auf die erschreckende Vergangenheit und fürchtet sich vor den Gefahren der Zukunft. Und sie verfehlt doch durch beides die Gegenwart des gelebten Lebens! Sie rechnet nicht damit, dass für das Leben schon längst gesorgt ist. Jesus sagt: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen“ (Matthäus 6,34) – Mit diesem Wissen sind die Sorgen nicht einfach weggewischt, wie mit einer Handbewegung.
Aber ihnen wird ein begrenzter Platz zugewiesen: der heutige Tag. Sie sollen nicht die Zukunft bestimmen, nicht herrschen über unser Herz. Und der heutige Tag, hier und jetzt, das ist im höchsten Maß der Ort der Gottesgegenwart. „Sorgt nicht!“ – das ist der Ruf in die unmittelbare Gegenwart Gottes. Manchmal blitzt das auf, in Augenblicken oft nur, wo einfach alles stimmt.
Da sind dann keine Belastungen aus der Vergangenheit, da ist kein Fragen nach dem Morgen. Und in solchen Augenblicken ist die Aufforderung „Sorgt nicht!“ ein aufregender Satz. Ein Satz, der in eine ungeheure Freiheit führen kann. Denn plötzlich merke ich: Die Sorge ist diejenige Macht, die mich an die Spielregeln der Gesellschaft bindet. Die mich zur Übernahme der gängigen Verhaltensmuster verführt.
Wenn ich mich nicht mehr zu sorgen bräuchte, dann würde ich aufhören, belastet, bedrückt und niedergeschlagen zu sein. Wenn ich es denn mal ausprobiere und zu mir sage: „Sorge dich nicht!“

Jörg Böversen, Pastor in Stadthagen