Stark …

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Kategorie: Andacht
Erstellt von Pastor Michael Bürger

Die Andacht von Pastor Michael Bürger

 
Foto von Pastor Michael Bürger

Michael Bürger

Stark sein, das ist etwas, was viele sich wünschen. Für ein Unternehmen ist gut, wenn es stark ist. Dann ist es stabil, konkurrenzfähig und gewinnbringend. Den Kleinen sagt man, sie sollen ordentlich essen, damit sie groß und stark werden, vor allem dann, wenn man ihnen etwas schmackhaft machen möchte. Dabei kann das Ergebnis erst in ferner Zukunft überprüft werden.

Nun sollen wir auch unsere "Gemeinde stark machen". Unter diesem Motto steht die Wahl zu den Gemeindekirchenräten am 18. März. Aber kann das wirklich die Aufgabe der Frauen und Männer sein, die sich dazu bereit erklärt haben im Gemeindekirchenrat mitzuarbeiten?

Was ist mit einer "starken Gemeinde" gemeint? Soll sie stark sein, damit sie auf dem religiösen Markt der Möglichkeiten konkurrenzfähig ist? Soll sie so stark sein, dass andere einmal staunend davor stehen, verbunden mit der Hoffnung, dass dann alle gerne dazugehören möchten?

Auch wenn diese Formulierungen überspitzt sind, kann doch deutlich werden, dass eine "starke Gemeinde" eine fragwürdige Zielvorgabe ist. Denn: Zum einen scheint sie mir nicht den Menschen gerecht zu werden, die sich zur Mitarbeit bereit erklärt haben. Sicher möchten sie sich gern einbringen und wollen etwas bewegen. Zum andern aber tragen sie sich womöglich mit dem Gedanken, was es denn für sie selbst bedeutet, diese Aufgabe wahrzunehmen und ob sie ihr überhaupt gewachsen sind und ihr gerecht werden können.

Jesus selbst hat uns eine andere Denkweise ans Herz gelegt, die völlig umgekehrt ist. "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"(2. Kor. 12, 9), heißt es in dem Losungswort, das uns für dieses Jahr gegeben ist. Also nicht Stärke hervorkehren, sondern gerade auch Schwäche zulassen. Das wäre dann eine Gemeinde, die für alle da sein könnte, die sich nicht immer stark und unerschütterlich fühlen, sondern die danach suchen, dass Jesus sich ihrer Schwäche annimmt. Dann könnte Jesus im Mittelpunkt stehen und die Gemeinde müsste nicht stark, sondern könnte lebendig sein und so für die Menschen da sein.


Michael Bürger ist Gemeindepastor in Wendthagen