Tröstet, tröstet mein Volk!

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Hagenburg ...

 
Axel Sandrock

Ich kann mich gut an eine Zeit erinnern, als von den Kanzeln zu Weihnachten das Donnerwetter über den Konsumterror erscholl, über das hemmungslose Schenken angesichts des Leidens in der Welt. Und ich gestehe: wenn um diese Jahreszeit die Zeitung nur noch Einwickelpapier für die Prospekte ist (ein Wochenblatt hat es vorige Woche auf eineinhalb Pfund Papiergewicht gebracht!), wenn die Radiowerbung sich für den dümmsten Spruch nicht zu blöd ist, um den ‚Himmel auf Erden’ zu versprechen, dann überfällt mich der Impuls auch manchmal, gegen das Weihnachtsgeschäft zu wettern.

Gegen solche Gedanken hilft einem Jesaja. Seine Mitteilung von jenem Gott, der sich Weihnachten klein macht, damit wir ihn als einen von uns erkennen, ist schlicht: „Tröstet, tröstet mein Volk und redet mit Jerusalem freundlich“. Das ist aus der Lesung für die Gottesdienste am 3. Advent.

Mit diesen Worten im Kopf  und einem Schmunzeln über mich selbst und meine gelegentliche Lust am Schimpfen von der Kanzel, war ich vorgestern auf einem Weihnachtsmarkt. Und plötzlich fällt mir auf, wie tröstlich der alte Mann hinter mir an der Kasse ist. Als ich hektisch Tüten und EC-Karte zu greifen versuche, sagt er schlicht, „nur die Ruhe, ich habe Zeit“. Und ich denke an das kleine Mädchen mit dem schrillen Hilferuf „Mama!“, weil ihm die (über-)lange Bratwurst aus dem schmalen Baguette zu fallen droht, dem die Mutter und ich mit vereinter Kraft helfen: Getröstet! Mit wenigen Handgriffen!

Ja, Jesaja denkt an einen größeren, an einen endgültigen Trost, der durch die großen Widerstände des Lebens hilft und vor dem Tod klein scheint – aber die Hoffnung, dass es so kommt mit uns und mit der Welt, die beginnt hier und jetzt in kleinen Dingen –sie beginnt mit der Erfahrung die wir unter Menschen machen und natürlich auch auf dem Weihnachtsmarkt.

Axel Sandrock, Pastor in Hagenburg