Väterchen Frost

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Engern...

 

R. Koller

„Ganz schön kalt geworden!“ hört man die Leute in diesen Tagen sagen. Als gäbe es keine Winterkleidung. Bei sinkenden Temperaturen fällt mir immer die Bemerkung eines alten Mannes ein, der als Deutscher in sibirischen Gefilden aufwuchs und dort lange lebte. „Kalt?“, sagte er mir, „kalt ist es, wenn man in jedem Winter Temperaturen von Minus 20 bis Minus 30 Grad erlebt. Das ist kalt!“ Recht hat er.

Was stellen wir uns an, wenn für wenige Wochen die Gradzahl unter Null geht?  Und warum stören uns eigentlich nicht in gleichem Maß die Minustemperaturen der menschlichen Kontakte? Vielleicht, weil wir da wenig ausrichten können. Stimmt auch. Schließlich sind wir nicht am Drücker, wenn es um Atomsprengköpfe geht oder um Giftgasangriffe in Syrien. Wir haben auch nicht die Telefone in der Hand, mit denen mächtige Herrscher mal wieder reden. Hoffentlich miteinander. Aber das ist unterschiedlich.

Was tun gegen den Frost in den Herzen? Wir sind schließlich am Drücker, wenn es um das eigene Verhalten geht. Dazu muss man sich selbst für das Gute erwärmt erleben. Das Lied „Bewahre uns Gott“ (Ev. Gesangbuch Nr. 171) ist ein Gebet um Bewahrung. Wem es zu kalt wird bei den eiskalten Werken von Menschen, der bete mit der zweiten Strophe: „Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.“ Es tut gut, wenn sich Wärme und Licht in Angesicht des Gegenübers erkennen lassen. Im „Ansehen“ Gottes wie auch der Menschen untereinander.

Reinhard Koller, Pastor in Engern/Steinbergen