Verstopfung

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Auhagen...

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, so steht es auf den ersten Seiten der Bibel. Und so hatten Sie sicher in dieser Woche schon Besuch: Marietta Slomka, Claus Kleber, Frau Maischberger, Helene Fischer,  Angela Merkel oder auch vom Bergdoktor – je nach dem, welchen Fernsehkanal Sie eingeschaltet hatten. Das ist das Schöne am Fernsehen, man kann sich Menschen von draußen in die Wohnung holen, die einen informieren oder auch amüsieren. Oder man kann sich zurückziehen aus dem Alltag und sich hineinträumen in Kommissare, Chefärzte, Verzweifelte oder Verliebte. Drei Stunden Fernsehunterhaltung pro Tag, das ist oft zuviel des Guten, da hat man den „Kanal bald voll“, und die Fülle der Bilder liegt einem nicht selten schwer im Magen.
Psychologen sprechen zuweilen von „Fernsehverstopfung“, und dieses Wort gefällt mir.

Hier hilft nur Diät. Ich meine damit nicht die Idee einer kalorienarmen Gesellschaft, die meint, durch die künstliche Selbstkasteiung beim Essen ihren Körper designen zu können. Die mit ihrer Hyper-Fitness dem Gesundheitswahn verfällt und sich nach einem Alter ohne Falten sehnt. Bisher sind alle Diäten im Großen und Ganzen gescheitert, und darum werden immer neue erfunden.

Wie wär’s aber, wenn wir zum Beispiel für eine gewisse Zeit die Fernbedienung für den Fernseher losließen?  So zappen wir nicht rum, sondern schalten bewusst ein und aus. Wir trennen uns auf Zeit von unseren Serienlieblingen und wollen in Zukunft bewußter entscheiden, wen und was wir in unsere Wohnungen holen. Das gilt übrigens auch für unsere PC oder Tablets, und manche Familien kommunizieren viel über Whatsapp, sprechen aber kaum miteinander.

Diese Form von „Fasten“  ist keine fromme Übung näher zu Gott, aber näher zu sich selbst. Und auch näher zum anderen. Mancher kennt ja Frauen aus bestimmten Fernsehsendungen besser als seine eigene Frau neben  sich auf dem  Sofa. Wer mit dem Fern-Sehen nachlässt, kann besser Nah-Sehen, in die Nähe oder auf seinen Nächsten. Mal sehen, was dann passiert. Vielleicht bricht Schweigen aus oder ein Streit oder das Gegenteil.  
Seit Adam und Eva ist das beste Gegenüber noch ein menschliches Gesicht und keine  Mattscheibe oder ein Bildschirm. Sie müssen ja nicht so hart sein mit Ihrem Gerät, aber schauen Sie mal wieder in eine andere Richtung.

Josef Kalkusch, Auhagen
Pastor im Ruhestand