Volkstrauertag

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden ...

 
Lutz Gräber

Trauer gehört genauso zum Leben wie Freude und Glück. Das vergessen wir oft. Ein wirklich gutes Leben definiert sich in unserer Gesellschaft vor allem durch die persönlichen Glücks- und Wohlfühlerfahrungen. Leid und Schmerz, Tod und Trauer sollen im Bedarfsfall möglichst professionell „bearbeitet“ werden. Alexander Mitscherlich hat uns schon vor fast 50 Jahren sogar eine „Unfähigkeit zum Trauern“ nachgesagt. Damals noch aus anderen Gründen. Für Mitscherlich war klar: Die Deutschen verleugnen die in der nationalsozialistischen Vergangenheit verloren gegangenen Ideale des eigenen Lebens und legen über diese Zeit einen Schleier des Vergessens. Der verhindert, dass auch über die Toten angemessen getrauert werden kann. Aus unterschiedlichen Gründen haben wir demnach schon immer Schuld, Tod und Trauer in unserem Leben und unserer Gesellschaft verdrängt –und tun es noch.
Die Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag leisten einen erheblichen Beitrag gegen diese Verdrängung anzugehen. Sie erinnern an die Opfer der Weltkriege, insbesondere der Nazi-Diktatur und ermöglichen so  Trauer über den persönlichen Verlust und eine Einordnung in die wirklichen Zusammenhänge von nationaler Begeisterung, Versagen, Schuld und Infragestellung des eigenen Lebensentwurfes. Allen Versuchen der rechten Szene, am Volkstrauertag wieder eine „Heldenverehrung“ zu installieren, muss deshalb eine deutliche Absage erteilt werden. Wenn Menschen sterben müssen, um zu Helden zu werden, wird der Nationalsozialismus und seine Verbrechen verharmlost und die Opfer der Nazi-Diktatur, auch die gefallenen Soldaten, verhöhnt.
Die Gedenkveranstaltungen erinnern uns aber auch an die Opfer von Krieg, Terror und Verfolgung heute, in anderen Ländern, aber auch vor unserer Haustür: Durch Hass und Gewalt gegen Schwache, Fremde, Andersdenkende auch im Schaumburger Land. Der Volkstrauertag mahnt zu einem friedlichen Miteinander. Gestalten müssen wir es, auch indem wir Trauer und Schuld zulassen, beim Namen nennen und gegen allen Unfrieden angehen. Und im letzten gilt bei allem für mich: Mit aller Trauer und allem Bemühen, mit allem, was unser Leben in Freud und Leid ausmacht, dürfen wir uns von Gott gehalten wissen.

Lutz Gräber, (Luhden) , Schulpastor in Bückeburg