Vorbilder

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Luhden...

"Du hast mir gar nichts zu sagen!" Wenn Kinder mit solchen Worten den Aufstand proben, geht es oft um mehr als die Verweigerung gegen Hausaufgabenkontrolle oder Fernsehverbot. Der Vorbildcharakter und die natürliche Autorität von Menschen, an denen sich Jugendliche orientieren können, wird in Frage gestellt.
Das hat viele Ursachen. Auch in der Welt der Erwachsenen fehlt es an Vorbildern. Wem soll ich auch nacheifern, wenn Egoismus, enttäuschtes Vertrauen und Unglaubwürdigkeit in unserer Gesellschaft immer mehr zunehmen? Lohnt sich der Einsatz für eine bessere, gerechtere und wahrhaftigere Welt zu kämpfen und darin auch vor Widerständen nicht zurück zu schrecken überhaupt noch?
Ich war am vergangenen Wochenende tief bewegt über die Wahrnehmung der Person des verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Quer durch alle Parteien, Organisationen und bei vielen Bürgern wurde er unglaublich positiv gewürdigt -weniger wegen seines Amtes, sondern wegen seiner Person.
Obwohl er sich in seinem Auftreten den Menschen nicht anbiederte und manchmal in seiner Souveränität distanziert wirkte, wurde er doch immer populärer, je länger er sein Amt inne hatte. Er war ein Mensch, zu dem man aufsehen konnte ohne in die Knie zu gehen, einer, der durch sein Wirken Respekt erfuhr ohne ihn einfordern zu müssen, der nach oft unbequemen Wahrheiten suchte, sie fand und damit Menschen aus dem Herzen sprechen konnte. Seine berühmte Befreiungsrede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes endet mit einem Aufruf an die kommende Generation: "Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet: "Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen..." Es gibt Worte und Menschen, die sie geprägt haben, an die wir immer wieder erinnern sollten -gerade in unserer Zeit! Sie dienen den Maßstäben von Frieden, Gerechtigkeit und Recht und ihnen wohnt eine Wahrheit inne, die uns wirklich etwas zu sagen hat. Richard von Weizsäcker gehörte damit zu den bewunderten Alten, von denen man denkt, dass es sie eigentlich gar nicht mehr gibt. Und das ist sehr schade.
Deshalb sollten wir Ausschau halten nach Menschen und Worten, die uns etwas zu sagen haben. Der Wochenspruch aus dem Hebräerbrief sagt mir solche Worte der Wahrheit, die Gott zu uns spricht: "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht."

Lutz Gräber, (Luhden) , Schulpastor in Bückeburg