Warten können – aber richtig!

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Bückeburg...

 

L. Gräber

Vorfreude soll ja bekanntlich die schönste Freude sein. Seit dem ersten Advent haben wir uns als Kinder auf die traditionelle schlesische Bratwurst gefreut, die es erst am Heiligen Abend geben durfte. Es gibt viele Gründe der Vorfreude: Auf den Weihnachtsbaum, die Geschenke, die Familie, das Krippenspiel oder den Mitternachtsgottesdienst. Das alles liegt heute noch vor uns, aber schon bald ist es so weit! War für Sie diese Zeit des Wartens auch eine Zeit der Vorfreude auf das Weihnachtsfest?

Mir fällt Warten eigentlich schwer. Und meine Wahrnehmung ist: Anderen auch. Und in vielen Bereichen ist es auch wichtig, sich nicht vertrösten zu lassen. Aber manches Warten ist notwendig oder unvermeidlich und dann ist es ist ungut, nicht warten zu können. Anselm Grün hat einmal gesagt: „Wer nicht warten kann, der wird nie ein starkes Ich entwickeln!“ Warum? Weil er dann abhängig ist von jedem Bedürfnis, das möglichst sofort befriedigt werden muss. Weil das so ist, gerade deshalb produzieren und tun wir so viele unnütze Dinge.

Richtig warten zu können dagegen macht uns innerlich frei. Es zeigt uns, dass uns das Eigentliche geschenkt werden muss. Dazu lädt uns die Adventszeit ein: Als Erwartende unser Herz zu weiten. Denn es sind doch gerade die Erwartungen, die unser Leben ausmachen. Wer nichts mehr erwartet, der wird des Lebens überdrüssig. Von dem nichts erwartet wird, fühlt sich abgeschoben. Erwartungen können uns manchmal auch anspannen, aber ohne Erwartungen fühlen wir uns überflüssig. Erwartung und Warten halten uns in der Spannung, von der manche sagen: da ist die Anwesenheit Gottes zu spüren. Deshalb ist die Adventszeit gut geeignet, das richtige Warten einzuüben. Denn das richtige Warten kann unser Leben verändern, weil es uns von Abhängigkeiten befreit, in die wir uns selbst begeben. Warum? Weil uns das Eigentliche des Lebens geschenkt wird.

Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir dieses große Weihnachtsgeschenk annehmen: Gottes Gegenwart in unserem Leben, in unserer Welt, für uns selbst, im Zusammensein mit den Menschen, die wir lieben und in unseren Gottesdiensten.

Lutz Gräber, Theologischer Referent