Was tröstet

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Pollhagen...

 
Uwe Herde

In meiner Hand halte ich eine Postkarte. Darauf steht ein kurzer Text Es geht um Trost: „Handhalten. Monster zähmen, die echten und die eingebildeten. Nicht diskutieren, ob es Monster gibt. Schmerz wegpusten. Chaos als Spielwiese betrachten. Gras drüber wachsen lassen. Pflaster kleben. Ganz Ohr sein. Lieder im Dunklen singen. Wenn nötig, neue Strophen erfinden. Aus Nichts Mut machen. Die Verzagten Huckepack nehmen. Sagen, das alles gut wird. Und daran glauben.“ (Susanne Niemeyer)
Es gibt so viele Menschen, die Trost brauchen. Die Familie aus Syrien, die vor wenigen Tagen in der Nachbarschaft ein Haus bezogen hat. Ihr Haus in Aleppo wurde von Bomben zerstört. Frau M. die letztes Jahr, kurz vor Weihnachten, ihren Mann verloren hat. Herr W., der die Asylanträge bearbeitet du Frau Ü., die sich als Sozialarbeiterin um die Flüchtlinge kümmert. Jonas, der seine fünf Geschwister versorgt  und sich um die alkoholkranke Mutter kümmert. Seyda, die von ihrer Klasse gemieden wird und nachts nicht mehr schlafen kann.  Frau G., die 86 Jahre ist und allein wohnt. Ihr Sohn ruft einmal im Monat an. Luise, die vor zwei Tagen eine schlimme Diagnose beim Arzt bekommen hat. Jetzt überlegt sie, was mit ihr und ihrer Familie werden soll.  Lukas, der vor drei Jahren seinen Bruder bei einem Verkehrsunfall verloren hat.

Stellen Sie sich einmal vor: Alle Menschen, die Trost brauchen, stellen dazu einen Antrag. Die Flut der Anträge wäre von keiner Behörde zu bewältigen. Doch es sind ja bereits unzählige Menschen unterwegs, um andere zu trösten. Mütter, Väter und Freunde, Nachbarn und Kolleginnen, Menschen auf der Straße, an der Kasse im Supermarkt und am Telefon. Eine riesige Zahl von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Gott ist mit diesen Menschen unterwegs. Gott tröstet auch, manchmal wie eine Mutter. Er begleitet die Menschen. Schenkt ihnen die richtigen Worte und hilft ihnen, kleine Gesten zu finden, die gut tun: Eine Umarmung oder eine Stunde zuhören, eine Einladung zum Essen oder ein Gebet für diejenigen, die gerade nicht beten können. Alles ganz persönlich und liebevoll. Kein billiger Trost für alle und keine Belanglosigkeiten. Und vor allem: Trost auch für diejenigen, die andere trösten. Überall, wo das geschieht, ist Gott. Das ist versprochen. Für das Jahr, das eben begonnen hat. Wirklich? Wirklich!  „Ich will euch trösten wie eine Mutter tröstet – Gott“.

Uwe Herde,  Pastor in Pollhagen