Wo dein Schatz ist ...

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Steinbergen...

 
Stephan Strottmann

Wo dein Schatz ist ...
… da ist auch dein Herz. So lautet ein Kernsatz aus dem Predigttext für das diesjährige Erntedankfest (Matthäus 6,21). In diesem Zusammenhang lauert eine Gefahr, der Jesus uns Menschen ausgesetzt sieht: Wenn uns etwas kostbar ist, droht es uns gefangen zu nehmen. Was mir wertvoll ist, darauf richte mein Denken und Tun immer stärker aus.

Das ist zunächst nichts Schlimmes. Davon lebt schließlich alle Begeisterung für eine Sache, einen Menschen oder eine Idee. Dieses sich Ausrichten auf etwas bringt mich und andere voran und verleiht dem Leben Tiefgang.
Aber wenn mein Herz ganz bei einem Schatz ist, gerät Anderes aus dem Blick. Und der Schatz bekommt eine Wichtigkeit, die ihm letztlich nicht zusteht. Das gilt, wo das Ziel der Gewinnmaximierung alle ethischen Bedenken und Grenzen über Bord wirft. Das passiert, wenn ich für meinen Beruf, einen Fußballverein oder einen geliebten Menschen andere Beziehungen opfere. Dann verengt sich mein Blick und mein Leben wird letztlich ärmer.

Erntedank aber kann unseren Blick weiten: Ich nehme neu die vielfältigen Gaben wahr, die Gott mir schenkt. Für vieles muss ich dabei gar nichts tun, darf es einfach genießen: diese herrlichen Spätsommertage, die Früchte an Sträuchern und Bäumen, die beginnende Laubfärbung.

Ich erlebe das als Einladung, mein Herz zu weiten, immer neue Schätze zu entdecken. Der Musiker und Poet Bodo Wartke hat diesen Satz einmal einfach umgedreht: „Wo dein Herz ist, da wird auch dein Schatz sein.“ So gewendet lädt uns Gott ein, neue Schätze zu entdecken und zu heben. Sie wollen unser Herz aber nicht fesseln, sondern es weiten – und dann werden wir wirklich reich!

Stephan Strottmann, Pastor in Steinbergen