"Würde"

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Sülbeck...

 

S.-M. Keller

„Ich würde das ja machen, aber …“ So sagt einer, der zwar bereit ist etwas zu tun, aber dafür bestimmte Voraussetzungen erwartet. Eine andere nutzt diese Formulierung, weil sie eigentlich nach Ausreden und Entschuldigungen sucht.

„Würdest du das bitte machen?“ Die Frage lässt dem anderen die Wahl entweder „ja“ oder „nein“ zu sagen. Der Konjunktiv „würde“ zeigt in unserer Sprache an, dass es sich um eine Möglichkeit handelt. Beim Substantiv „Würde“ ist das anders. Da handelt es sich nicht um eine Möglichkeit. Es ist schon entschieden worden, denn meine Würde wird mir von Gott geschenkt und garantiert.
Wenn „Würde“ großgeschrieben wird, dann haben die gleichen Buchstaben, in der gleichen Reihenfolge, mit der gleichen Betonung, nichts mit einem Konjunktiv zu tun, sondern sind eine objektive Tatsache. Ich habe einen Wert und er wird mir von Gott zugesprochen. Ich bin sein geliebtes Kind und darüber kann kein anderer entscheiden. Das kann mir keiner nehmen und ich kann es auch nicht verlieren!

Allerdings hat Gott nicht nur mir meine Würde geschenkt und mich zu seinem Kind gemacht, sondern auch meinen Mitmenschen! Das Wissen um meine eigene Würde und die Dankbarkeit für diesen unverlierbaren Wert, der mir ganz ohne Voraussetzungen und Bedingungen zugesprochen wurde, ruft mich in die Verantwortung meinem Mitmenschen gegenüber. Auch seine Würde gilt es zu achten und zu bewahren.
Denn Würde ist kein Konjunktiv!

Sarah-Madeleine Keller, Pastorin coll. in Sülbeck