Ziemlich beste Freunde

Meldung vom
Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Engern...

 
Reinhard Koller

Es war ein Sekundenschlaf beim Autofahren, wie ihn wahrscheinlich die meisten  schon mal erlebt – und überlebt -  haben.  Auch ein Freund hat ihn vor zwei Monaten überlebt, allerdings mit den Folgen einer lebenslangen Querschnittslähmung vom Hals abwärts. Schlimmer als in dem Film „Ziemlich beste Freunde“ kann er bisher nicht sprechen und nur eine geringe Zeit eigenständig atmen. Geistig ist er völlig klar. Ich habe mich nach der erschreckenden Nachricht gefragt, ob es einen Grund geben kann, unter diesen Umständen weiterleben zu sollen. Sehr schnell kommt man zum Ergebnis: Nein. Aber wie würde ich als Betroffener wohl empfinden?

Unser Freund hat das für sich entschieden: er will leben. Viele Freunde haben ihm Grüße ausrichten lassen, ihn besucht und für ihn gebetet. Noch lange Zeit wird er in einer Spezialklinik bleiben müssen. Da er nur einen jüngeren Verwandten hat, ist die Freundschaft der Vielen zu einer großen Ermutigung geworden. Ich dachte an den Film und die Beziehung der beiden liebenswürdigen Männer zueinander, die auf eigene und humorvolle Weise mit der Situation umgehen. Da spielt die Religion und der Glaube keine Rolle. Ob das wohl zusammen kommen kann? Ohne aufdringliches Mitleid dazusein und gleichzeitig den ewigen Gott in Jesus Christus an der Seite zu wissen, der seinen Jüngern sagte: „Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt ha-be.“ Für unseren Freund scheint da etwas beeindruckend zusammen zu kommen, was für ihn als Christen zusammengehört: Glaube und menschliche Freundschaft als sichtbare Zeichen des Getragen-Seins.

Ich wünsche mir das für unsere Alltagswelt, inmitten äußerer und innerer Not unserer Mitmenschen und außerhalb von ihr.

Reinhard Koller, Pastor in Steinbergen/Engern