Zuversicht

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Kategorie: Andacht

Ein Wort aus Stadthagen ...

 
Dr. Klaus Pönnighaus

Ein Tag geht zu Ende, ein Jahr, ein Leben. Unsere Zeit ist befristet. Wer befreit mich von meiner Sorge um die Zukunft, von meiner Angst um mich selbst? Wir kennen das alte Bild vom guten Hirten. Heute, so las ich, gibt's zwei Arten von Hirten: Die einen interessieren sich für das Fleisch, die anderen für die Wolle. Für die Schafe interessiert sich niemand. Ein hartes Wort. Trifft es unsere Zeit, unsere Situation?

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte (Joh. 10). Hier also ist einer, der nicht zuerst an sich und seinen Vorteil denkt, der nicht selbstbesessen ist, nicht vom Fell und Fleisch seiner Schafe leben will; vielmehr sein Leben lässt für die Schafe, Verlorenes sucht, Verwundetes verbindet, Zerschlagenes heilt. Ein Hirte, bei dem es wahr wird: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln … (Ps. 23). Worte, die sich als gültig, wahr, tragend erwiesen haben: Unter der Knute altorientalischer Gewaltherrschaft, unter dem Druck der Steuerschraube absolutistischer Fürsten, unter den Größenphantasien eines Wilhelm II., in Gestapokellern und Konzentrationslagern. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Ich - Gott - will Schwache stärken, Traurige trösten, Verzweifelten neuen Lebensmut geben.
Er ist der gute Hirte - oder möchten Sie ernsthaft in einer Welt leben, in der Menschen mit Inbrunst sagen: A. Merkel oder P. Steinbrück oder der Chef einer großen Bank seien mein Hirte und mir mangele nichts. Wir lebten also womöglich im Schlaraffenland einer unbegrenzten Bedürfnisbefriedigung. Ich glaube, das wäre viel schlimmer als die gegenwärtige Wirklichkeit, in der es allerdings in der Tat viele Dinge gibt, die grausig sind, verbesserungsnotwendig, verbesserungswürdig.

Die Welt ist vorzuziehen, in der wir weiterhin sagen dürfen: Der Herr ist mein Hirte. Er allein. Das kann uns gelassen machen,  angstfreier in die Zukunft zu sehen. Das kann uns mutiger machen, die Stimme zu erheben, wenn Un­recht geschieht. Der Herr ist mein Hirte. Da kann es sein, dass wir durch unser Leben, durch unser einfaches Dasein einem Menschen die Gewissheit, die dieser Satz verspricht, zusprechen können - wortlos vielleicht, durch eine Geste, einen liebevollen Blick. Der Herr ist mein Hirte. Nicht einmal die Krankheit, der Tod haben letzte Macht über dich. Der Herr ist dein Hirte - auch im neuen Jahr, dir wird nichts mangeln.

Dr. Klaus Pönnighaus, Oberprediger Stadthagen