Buchvorstellung „Nur Sohn Erwin überlebte die Shoah“

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...die erste ausführliche Biographie einer jüdischen Familie aus Schaumburg erschienen...

Nach dreijährigen Recherchen ist jetzt die erste ausführliche Biographie einer jüdischen Familie aus Schaumburg erschienen. Buchtitel: „Nur Sohn Erwin überlebte die Shoah – Das Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Rautenberg aus Bückeburg.“
Das Buch erscheint zum 5.Todestag von Erwin Rautenberg und dem Auschwitz-Gedenktag.
Auf 300 Seiten mit fast 200 Abbildungen wird das Leben von Leo Rautenberg und seiner Familie dokumentiert. Leo, der sich in Bückeburg mit einem Tabakwarenladen und später einem Gardinenhaus eine bürgerliche Existenz aufbaute, unterschätzte wie so viele Glaubensbrüder seiner Generation das diabolische Element der Nazi-Diktatur. Sein Zögern, Deutschland rechtzeitig zu verlassen, bedeutete im Endeffekt den Tod seiner Familie. Ausnahme sein Sohn Erwin, der 1937 nach Argentinien emigrieren konnte. Aus dramatischen Briefwechseln zwischen Vater und Sohn wird jedoch deutlich, wie der Versuch nachzureisen, letztendlich scheiterte.
Die tragische Bilanz der Familie: Leo stirbt an den Nachwirkungen von Folterungen im KZ Buchenwald 1940. Seine Frau und die beiden Geschwister Erwins werden im Dezember 1941 ins Ghetto Riga deportiert. Keiner überlebt. Ein ähnliches Schicksal teilen die Familienmitglieder aus Obernkirchen.
Erwin Rautenberg baut sich in den USA eine neue Existenz  auf, leidet aber zeitlebens unter dem Verlust der Familie. In mehreren Besuchen in der alten Heimat stellt er sich der schmerzlichen Vergangenheit. Der kinderlose Erwin gründet eine Stiftung, die seinen Namen trägt, und unterstützt viele Projekte, die die Aufarbeitung der NS-Zeit zum Thema haben. Nach seinem Tod 2011 setzt der Präsident der Rautenberg-Stiftung, Tom Corby, die beispielhafte Unterstützung in Schaumburg fort. Ein besonderes Beispiel für diese Arbeit ist die großzügige finanzielle Unterstützung der ehemaligen Synagoge in Stadthagen.
Das jetzt vorliegende Buch hätte ohne die Rautenberg-Stiftung niemals realisiert werden können.
Der Autor des Buches konnte dabei auf viele wertvolle Dokumente der Rautenberg-Stiftung und der Lebensgefährtin Erwins, Irene Sinclair, zurückgreifen. Von vornherein war vereinbart worden, dass der Autor wichtige Orte der Familiengeschichte persönlich aufsucht. So entstanden Fahrten nach Bielefeld, dem Ausgangsbahnhof der Deportation nach Riga, nach Hannover in die ehemalige Israelitische Gartenbauschule in Ahlem, nach Weimar in die Gedenkstätte Buchenwald, nach Riga und als Höhepunkt nach Los Angeles. Der Autor hatte seit 1997 bis zu Erwins Tod 2011 regelmäßigen Kontakt zu dem einzigen Überlebenden seiner Familie. Daher hat das vorliegende Buch auch viele persönliche Abschnitte.

Das Buch, herausgegeben von der Erwin Rautenberg  Foundation Santa Monica, umfasst 300 Seiten mit etwa 200 Abbildungen. Es kostet 15 Euro und ist erhältlich in den Bückeburger Buchhandlungen Frommhold und Scheck sowie in Stadthagen bei der Buchhandlung Schmidt.  Lesungen bzw. Vorträge sind nach Rücksprache mit dem Autor möglich (05722 – 25363).

Klaus Maiwald