Landesbischof predigte in der Christuskirche in Rom

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Predigt zum Osterfest 2016 – 27. März 2016 - Christuskirche in Rom

 
Dr. Karl-Hinrich Manzke

Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof

Predigt zum Osterfest 2016 – 27. März 2016
Christuskirche in Rom – Ev.-Lutherische Kirchengemeinde - Matthäus 28, 1-10

Liebe Gemeinde zum Osterfest,

die biblische Erzählung des Matthäus darüber, wie die Osterbotschaft in die Welt gekommen ist, hat alles, was zu Ostern gehört. Es beginnt mit dem Gang der Frauen zum Grab.Der letzte Dienst an dem Gestorbenen soll vollzogen werden –das Einbalsamieren der Leiche. Es setzt sich fort mit der Furcht derer, die zum Grab gehen und dort ankommen – der Furcht angesichts der Veränderungen, die dort stattgefunden haben. Die können sie erst einmal überhaupt nicht deuten.
Dann die Botschaft des Engels, man solle den Lebenden nicht bei den Toten suchen und eben nicht mehr beim Grab Jesu verweilen. Und am Ende die geheimnisvolle Begegnung mit dem Auferstandenen selbst –und dann Verwirrung der Gefühle und die Pflicht, die Botschaft  weiter zu geben und zu sagen.
Grabpflege und Totenwache werden in einer einmaligen Weise unterbrochen und überboten durch die Perspektive der Auferstehung - alle Dimensionen, in denen wir die Wirklichkeit gewöhnlich beschreiben, werden gesprengt.
Die Botschaft dieses Tages macht das Osterfest zu dem entscheidenden Fest unserer Kultur. Aber trotz bemalter Ostereier, Hasen aus Marzipan und ökologisch unbedenklicher Natur-Eier-Farben, die angeboten werden, treibt das Osterfest den Umsatz der Geschäfte deutlich weniger an als Weihnachten. Und die Kirchen sind über die Ostertage zwar gut besucht, aber nicht derartig beliebte Orte wie zu Weihnachten.
Vorallem aber treibt das Osterfest die Gemüter der Menschen in unseren Breiten weniger um, sie spricht irgendwie weniger an –die Osterbotschaft –als jene Erzählung von der Geburt des Kindes und der Herbergssuche der Eltern zu Weihnachten.
Dennochsage ich: bei allen eingängigen Bildern über das Leben, die die Weihnachtsgeschichte zu bieten hat –die Botschaft des Ostermorgens ist es, die die Welt verändert hat und weiter das Potential in sich birgt, die Welt zum Guten zu verändern.
Die Dynamik des christlichen Glaubens hat an Ostern ihren Ausgangspunkt, nicht an Weihnachten.
Mit der Botschaft von der Auferstehung Jesu hat alles angefangen –mit dieser Botschaft hat der Lauf des christlichen Glaubens um die Welt begonnen, diese Botschaft lässt mein Herz höher schlagen.
Warum? Weil in der Botschaft von der Auferweckung des gekreuzigten Jesus von Nazareth die Vorstellung in die Welt gekommen ist: kein ewiger Wechsel von Werden und Vergehen liegt über der Natur und unserem Menschenleben: Sondernalles, aber auch wirklich alles, was ist, hat eine nicht aufzuhaltende Bewegung zum unzerstörbaren Leben!
Mein Leben –es ist eine Bewegung hinauf, nicht hinab! Das Leben geht letztlich nicht der Verwesung nur entgegen, sondern erwartet die wunderbare Neuwerdung, die als erstem aller vom Weibe geborenen Christus zuteil wurde.
Mein Grab und das Grab meiner Lieben, die ich schon zum Friedhof gebracht habe, alles nur ein letztlich vorübergehender Ort, weil Christus lebt.
All die Nachrichten von  den Zerstörungen dieser Tage um Ostern und die  Furcht, die in der Welt ist vor schrecklichen Selbstzerstörungskräften, halten dieser Osterbotschaft nicht stand.
Gott hat den gekreuzigten Jesus von Nazareth auferweckt und damit der Welt und dem menschlichen Leben eine Richtung gewiesen, eine Richtung zum Leben, die keiner aufhalten kann und wird, weil Gott es so will. Am Ende wird alles gut und neu, das Leben und die zerbrechliche und durch menschliche Unversöhnlichkeiten gefährdete Welt nimmt ein gutes Ende.
Die Weltgeschichte ist kein Gerichtssaal und die Welt kein Totenhaus, dasunversöhnliche Menschen einander bereiten –sondern die Welt ein Tanzsaal mit geteilter Lebensfreude aller!
Ostern –ein Fest gegen die Angst und die Trägheit des Glaubens! Deswegen liegt in diesem Tag die Kraft des christlichen Glaubens am besten und deutlichsten offen!
Die Ostererzählung selbst geht zunächst den Weg aller Sterblichen mit und zu Ende –nimmt uns Hörende mit, die erst einmal davon ausgehen, dass die Grabpflege ihre letzte Menschen- und Christenpflicht ist –und eben nicht Auferstehungsfreude. Sie nimmt uns mit, die erst einmal gar nichts gegen Traurigkeit tun können, wenn sie zu den Gräbern ihrer Lieben gehen.
Weil diese Bewegung von der Grabpflege zur Feier des unzerstörbaren und ewigen Lebens in dieser Ostererzählung liegt, lohnt es sich, sie jetzt noch einmal gemeinsam nachzugehen.

1.    Von der Pflicht zu Trauern
Mit dem Gang der Angehörigen zum Ort der Trauer beginnt die Osterzählung – dem Gang zum Friedhof. Die letzte Pflicht, die wir den Toten, unseren Toten, gewähren, ist die Totenwache zu halten und das Grab zu pflegen. Aufgrund seines Sterbens als Verbrecher am Kreuz gehört für die Frauen aus Jesu Umgebung noch die Pflicht zum Einbalsamieren der Leiche hinzu, die am Sterbetag nicht möglich war. Diese Erzählung zeigt in schlichter Schönheit, was wir Menschen unseren verstorbenen Lieben geben können. Eben die Orte der Erinnerung und der Trauer, die Grabstätten, in Ehren zu halten. Insofern ist es ein Bruch mit einem höchst wichtigen Kulturgut, wenn wir die Grabkultur nicht fortsetzen sollten, unseren Angehörigen ein unverwechselbares Grab zu geben, wo ihr Name aufgeschrieben und dargestellt ist. Wenn mir jemand sagt, er wolle seinen Angehörigen Grabpflege nicht zumuten und deshalb kein „persönliches“ Grab auf einem Friedhof haben, werde ich persönlich immer sehr traurig. Grabpflege ist doch keine Zumutung, sondern Zeichen einer humanen, heißt: menschlichen Gesellschaft. Wir sollten uns das von Generation zu Generation abverlangen: die Gräber zu pflegen und das Gedenken der Toten hochzuhalten. Alle Rationalisierung sollte davor Halt machen, die Grabkultur möglichst schlank und anonym halten zu wollen.

2.    Die Botschaft des Engels – Gräber sind nur vorletzte Aufenthaltsorte
Am Grab Jesu findet zu Ostern erst einmal schlicht eine Ruhestörung statt. Der Engel sagt zu den Frauen, der Gekreuzigte sei nicht in seinem Grab, er sei auferweckt und lebe. Die Friedhofsverwaltung wird damals nicht begeistert gewesen sein, damals in Jerusalem. Aber es ist am Ende eine gelungene und erwünschte Ruhestörung! Wie es dazu kommt, wollen wir uns anschauen.
Das heißt ja nämlich: Die Grabpflege hat ihr Recht, aber eben auch nur ein vorletztes. Pflegt die Gräber eurer Lieben, aber seid dessen gewärtig, dass die Fesseln des Todes gesprengt werden, seit Christus von den Toten auferweckt wurde. Christus lebt –und ihr sollt auch leben, das sagt der Engel am leeren Grab den erschrockenen Frauen. Lebensjünger seid ihr und sollt ihr werden!
Die Wachen am Grab stellen sich tot, die Frauen sind entsetzt, aber bleiben wach. Osterfreude aber stellt sich bei ihnen auch nicht sofort ein.
Nun gibt es, liebe Gemeinde, viele bedeutende und ehrenwerte Versuche, die Osterbotschaft des Engels: „Christus ist nicht hier, er ist auferweckt worden und lebt“ zu deuten und irgendwie versteh- und nachvollziehbar zu machen.
So sprechen manche Ausleger in der  neueren Geschichte des Christentums davon, dass das Vertrauen zu Jesus bei seinen ersten Jüngern so stark gewesen sei, dass sie sein Wirken auch nach seinem Tod sichtbar und deutlich vor Augen hatten –er habe also gleichsam in ihrem, der Jünger Glauben, weitergelebt. Und das bedeute Auferweckung Jesu. Und andere große und ehrenwerte Dichter sprechen davon, dass wir da, wo wir das Leben feiern, mitten in der Furcht des Lebens, ein Fest der Auferstehung erleben. Auferstehung also gleichsam als Unterbrechung der menschlichen Unversöhnlichkeiten und Lebensängste.
Alle diese und andere Versuche gehen irgendwie davon aus, dass man von einem leeren Gab und der leiblichen Auferstehung Jesu als aufgeklärter Zeitgenosse eigentlich nicht mehr sprechen könne.
Man kann natürlich das Ostergeschehen in kleine Münze prägen –aber man nimmt diesem Welt verändernden Geschehen die Spitze.
Nur wenn Jesus von den Toten auferweckt wurde als erster der Verstorbenen, ist wirklich etwas Neues geschehen und etwas Neues in die Welt gekommen. Denn diese Botschaft sagt in aller Klarheit und Schönheit: Es wird unzerstörbares Leben geben -und die Welt geht auf eine Vollendung zu, die Gott bewirken will und wird. Das erkennt ihr an der Auferweckung Jesu, die im übrigen, so sagen Historiker, zu den am besten bezeugten Ereignissen der antiken Zeit gehört.
Und dann wird es geschehen, dass Gott abwischen wird alle Tränen von den Augen jedes Menschen –und dann wird nicht mehr Leid, keinSchmerz und kein Grauen mehr sein.
In der Tat: Nicht der menschlichen Weisheit und Weitsicht verdankt sich diese Hoffnung, sondern der Botschaft des Engels am Ostermorgen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Und die Gefährdungen des Lebens und all die selbstzerstörerischen Kräfte, die in der Welt sind, werden diesen Weg Gottes nicht aufhalten, am Ende alles gut zu machen und zum Guten zu wenden!
Wenn wir die Stärke dieser Hoffnung irgendwie nachvollziehen oder verstehbar machen wollen, dann vielleicht so: Wir Menschen brauchen den Glauben an das Unglaubliche, damit positive Veränderungen in der Welt und in unserem Leben möglich sind. Vom Fall der Mauer in Berlin bis zum Frieden im Heiligen Land, auf den die ganze Welt so sehr hofft, gilt: wer nicht an Wunder glauben kann, kann auch nicht für Veränderungen wirklich kraftvoll arbeiten und hat nicht die Kraft, Schritte zu wirksamen Veränderungen zu tun.
So macht uns der Engel mit seiner Botschaft auf etwas sehr Wichtiges aufmerksam: Menschen, die verlernen, von ihren Hoffnungen zu reden und  zu singen, die die unverwüstliche Osterfreude am Leben nicht mehr ausdrücken können, werden irgendwie ihren Pflichten noch nachgehen können –aber eher gelangweilt und traurig leben. Deswegen gehört zu Ostern unbändige Lebensfreude und auch das Lachen und der Spott über den sich aufplusternden Tod, der uns alle Lebensfreud nehmen will.

3.    Und sie gingen weg vom Grab mit Furcht und Freude
Sich dem Leben nun in ungeteilter Aufmerksamkeit zuzuwenden, damit endet die Ostererzählung des Matthäus. Christenmenschen sind eben nur scheinbar naive Kandidaten des Jenseits, die sich nur um die unsichtbare Welt kümmern. Sondern Christenmenschen sind Praktikanten des Diesseits, weil sie eine Hoffnungin sich haben, die sie zu engagierten Freunden und Förderern des Lebens macht. Und überall da eingreifen und hilfreich zupacken lässt, wo das Leben anderer gefördert und gestützt werden soll und muss, wo verbunden und getröstet werden muss.
Osterbewegte Christen und Christinnen bringen sich an ihrem Ort ein in die Fragen dieser Welt und unserer Zeit.
Weil mit der Auferstehung Jesu gilt, dass jedes Leben einen unendlichen Wert und eine Würde hat, die es zu verteidigen und zu pflegen gilt.
Osterfreude ist die wirksamste Medizin gegen die Ängste unserer Tage und gegen die Furcht vor dem Leben.
Osterbewegte Christen können und müssen in das Zusammenleben der Menschen eine ungeheure Hoffnungsstärke einbringen, die unsere Welt und das Zusammenleben der Völker so dringend braucht.
So bitte ich euch –lassen wir die Osterbotschaft  an uns und an der Weltwahr werden.
Amen.

( Dr. Karl Hinrich Manzke, Bückeburg – z.Zt. in Rom)

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