Phantasievolles Schülertheater

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Deutsch-polnischer Jugendaustausch in Słupca bei Posen

 

Nicht nur Gott hat ein Recht darauf, müde zu sein; auch die Ratsgymnasiasten - zu denen sich auch zwei Schauspielerinnen aus dem Adolfinum in Bückeburg gesellten -, die sich für eine Woche zu ihrer Partnerschule nach Słupca auf den Weg machten, haben es sich redlich verdient. Denn innerhalb einer Woche brachten die beiden Schülergruppen aus Deutschland und Polen ein kleines Kunststück zuwege: Die Planungen und Vorarbeiten zu dem eigens gemeinsam verfassten Theaterstück „Über Glauben und Unglauben“ wurden nach drei harten Probentagen Realität.

Aus Anlass des Reformationsjubiläums und mit Kooperation und Unterstützung des Landesjugendpfarramtes, gefördert durch die Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe, das Deutsch-Polnische Jugendwerk, die Bürgerstiftung Schaumburg und die Schaumburger Landschaft, entstand ein ökumenisch gedachtes und europäisch inspiriertes Musiktheaterprojekt, das seinen 200 polnischen Zuschauern am Donnerstag (Märt 2017) im Kulturzentrum in Słupca „Nerven, Humor und Verstand“ abverlangte - jedenfalls waren das die Eigenschaften, die die wunderbare polnische Conférencieuse Olivia von ihrem Publikum einforderte.

Was folgte, waren in Kurzform: Ein müder, gelangweilter Gott, 200 Milliarden Jahre vor der Schöpfung der Welt; eine kurzweilige Variante der Schöpfungsgeschichte; das Paradies mit Adam und Eva und einer aberwitzigen Affenhorde, kulminierend in dem Konflikt zwischen Kreationismus und Evolutionstheorie; das Scheitern der hochschwangeren Maria, mit ihrem Gatten Joseph und den heiligen drei Königen im Gefolge, an der europäischen Außengrenze Asyl und einen Stall zu bekommen; der glorreiche Jesus Christ Superstar mit einer Gruppe ekstatisch singender Nonnen; die Welturaufführung eines getanzten Gottesbeweises nach Thomas von Aquin; der tolle Mensch von Nietzsche, der in der modernen Konsumgesellschaft vergeblich nach Gott sucht, dafür aber seine Mörder - nämlich uns – findet; der christliche Widerstand gegen den NS-Terror in Gestalt von Maximilian Kolbe und Dietrich Bonhoeffer; ein langweiliger Gottesdienst, in dem der lebendige Christus mit den Kindern das Weite sucht; und schließlich eine Rock-Variante des  Lieblingsliedes von Johannes Paul dem II, dem polnischen Papst, die ihm bestimmt gefallen hätte. Und das alles zu 98 % in polnischer Sprache; die deutschen Protagonisten hatten es sich nicht nehmen lassen, Teile ihrer Sprechbeträge auf Polnisch einzuüben.

Eine kleine Live-Band des RGS begleitete die Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Sängerinnen (in der Tat war die überwältigende Mehrheit des Ensembles weiblich) kongenial durch das ganze Stück und setzte dabei sehr eigene und eigenwillige Akzente. Das Publikum dankte die gesamte Leistung mit großem Beifall.
Das Regionalfernsehen „Twoja Sluca TV“ fasste seinen Bericht unter dem Titel eines „kontroversen Theaterstückes“ zusammen. Damit hat es ziemlich genau erfasst, was modernes Theater leisten muss und will.
Andreas Kraus