Selbstbestimmt und verantwortlich mit der Gabe des Lebens umgehen!

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Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke äußerte sich auf Anfrage zu der aktuellen Diskussion um den assistierten Suizid.

„Die Debatte um ein neues 'Sterbehilfe-Gesetz' ist gesellschaftlich auf dem Hintergrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2020 in vollem Gange.
Aus evangelischer Sicht muss dabei die Frage der Selbstbestimmung immer ins Verhältnis gesetzt werden zur Sozialität und zum grundsätzlichen Gegebensein des Lebens. Das Leben ist und bleibt Geschenk und ist in keines Menschen bloßer Verfügung.
Die evangelische Kirche ist sich mit der katholischen Kirche darin immer einig gewesen, dass alles getan werden muss, um Menschen beim Sterben aufmerksam und liebevoll zu begleiten. Medizinisch und seelsorgerlich. Der in einigen Äußerungen sichtbar werdenden schleichenden Normalisierung einer Exit-Option, auch in einigen Beiträgen aus der evangelischen Theologie, muss etwas entgegensetzt werden. Organisierte Suizidbeihilfe als Angebot auch in diakonischen Häusern halte ich für unangemessen und kann ich mir nicht vorstellen.
Selbstbestimmtes Sterben mit Suizidbeihilfe oder gar Suizidassistenz gleichzusetzen, ist nicht nachvollziehbar.“

Landesbischof
Dr. Karl-Hinrich Manzke, Bückeburg


Stichwort „Sterbehilfe“
 
Unter Sterbehilfe wird jede Unterstützung beim Sterben bis hin zur aktiven Tötung verstanden. Meist wird zwischen passiver, indirekter und aktiver Sterbehilfe unterschieden.

Der Deutsche Ethikrat hält diese Begriffe allerdings für nicht trennscharf genug. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2006 differenziert er zwischen Sterbebegleitung, Sterbenlassen, Tötung auf Verlangen und dem Spezialfall assistierter Suizid, um den es in der aktuellen Diskussion geht.

Unter Sterbenlassen wird dabei das verstanden, was auch der Begriff "passive Sterbehilfe" umfasst: Lebensverlängernde Maßnahmen bei todkranken Patienten werden reduziert oder abgebrochen. Das kann etwa das Einstellen der künstlichen Beatmung sein. Das Sterbenlassen ist straffrei und sogar rechtlich geboten, wenn der Patient dies vorher geäußert oder veranlasst hat.
Unter Sterbebegleitung fasst der Ethikrat alle Therapien, die am Lebensende Schmerzen und Leiden lindern helfen. Darunter fallen auch Therapien, bei der die gebotene schmerzlindernde Medikation dazu führt, dass der Kranke schneller stirbt - früher als indirekte Sterbehilfe bezeichnet. Sie gilt als weitgehend zulässig. (epd)