FAQ zum Kirchenentwicklungsprozess
Stand: 10. September 2026
Wo stehen wir gerade?
Der Kirchenentwicklungsprozess ist in der Gestaltungsphase. In allen Kooperationsräumen sind Kooperationsausschüsse gebildet; dort beraten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden über die künftigen Strukturen.
Die nächsten Wegmarken sind die Herbsttagung der Landessynode 2026 und die Frühjahrstagung 2027. Zum 1. Januar 2031 sollen die neuen Strukturen starten.
1. Grundlagen des Prozesses
Ist das ein neuer Prozess – schon wieder?
Nein. Es ist ein Weg mit mehreren Etappen. 2020 hat er als Beratungs- und Organisationsentwicklungsprozess mit den sogenannten Prozess-Aposteln begonnen. 2022 kam auf Grundlage der Voten der Kirchengemeinden das Kooperationsgesetz. 2025 hat die Landessynode den Grundsatzbeschluss gefasst, den bisherigen Kooperationsprozess zu verdichten, als Kirchenentwicklungsprozess fortzuführen und bis 2031 umzusetzen. Seit ihrer Konstituierung Anfang 2026 arbeitet die neu gewählte XXI. Landessynode daran weiter.
Was sich verändert, ist weniger die Aufgabe als die Gestalt, in der wir sie wahrnehmen. Kirche war lange vor allem Institution. Sie wird zugleich Organisation und Netzwerk, ohne das eine oder das andere aufzugeben. Daraus entstehen Spannungen, die sich nicht auflösen lassen: lokal und regional, verbindlich und freiwillig, bewahren und verändern. Diese Spannungen auszuhalten und produktiv zu machen, gehört zur Arbeit dazu.
Welche Strukturen sollen entstehen – und was ist ein Kirchspiel?
Derzeit werden zwei Varianten debattiert: der Kirchengemeindeverband und die Gesamtkirchengemeinde, die wir Kirchspiel nennen wollen. Welche Variante es wird, entscheidet die Landessynode.
In beiden Varianten bleiben die bisherigen Kirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts bestehen.
Für die Entwicklung der Strukturen und für das Zusammenwachsen sind die Kooperationsräume gebildet. Sie sind eine Arbeitsform auf Zeit und werden am Ende durch den Kirchengemeindeverband oder das Kirchspiel abgelöst. Kirche vor Ort bleibt dabei nicht auf die bisherigen Gemeindegrenzen festgelegt: Neben den Kirchengemeinden soll es weitere Orte und Formen geben, an denen kirchliches Leben stattfindet.
Geht es nur noch um Strukturen? Wo bleiben Glaube und Mission?
Kirchliche Strukturen sind kein Selbstzweck. Sie sollen Gemeinschaft ermöglichen und den Glauben sichtbar machen. Wenn sich unsere Welt verändert, reagieren wir deshalb geistlich und strukturell zugleich. Mission und Struktur gehören zusammen.
Inhaltlich beschreibt der Prozess eine Bewegung von der Versorgungs- zur Ermöglichungskirche. Nicht: die Kirche hält für ihre Mitglieder ein Angebot bereit. Sondern: sie schafft Räume, in denen Menschen ihren Glauben selbst leben, teilen und gestalten können. Hauptamtliche begleiten und befähigen dabei stärker, als sie selbst durchführen.
Die theologischen Grundfragen des Prozesses werden im Theologieausschuss der Landessynode und in seiner Arbeitsgruppe bearbeitet und fließen in die Beratungen der Synode und in die Konferenzen der Mitarbeitenden ein.
Warum fusionieren wir nicht einfach mit einer großen Landeskirche?
Unsere Landeskirche arbeitet bereits erfolgreich mit anderen Kirchen Niedersachsens zusammen. Unsere Größe macht uns flexibel und überschaubar und ermöglicht direkte Kommunikation zwischen Kirchengemeinden, Landeskirchenamt und Synode.
Dazu kommt ein wirtschaftliches Argument: Als kleine Landeskirche haben wir einen sehr übersichtlichen Verwaltungsapparat und damit geringe Overheadkosten. Rund drei Viertel unseres Haushalts kommen mittelbar oder unmittelbar den Gemeinden vor Ort zugute; im Vergleich der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland ist das ein Spitzenwert. Eine Fusion wäre demgegenüber ein enorm aufwändiger Prozess, der über Jahre Kräfte binden würde, die wir für die Arbeit vor Ort brauchen.
2. Zeitplan und Organisation
Ist der Zeitplan nicht zu ambitioniert?
Der Prozess läuft seit 2020 und soll 2031 abgeschlossen sein. Angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen und sinkender Finanzmittel wollen wir jetzt entscheiden, solange wir dafür noch Mittel, Personal und Gestaltungsspielraum haben.
Die Wegmarken:
- Juni 2025: Grundsatzbeschluss der Landessynode, bis 2031 Gesamtkirchengemeinden oder Kirchengemeindeverbände zu bilden.
- Anfang 2026: Konstituierung der XXI. Landessynode. Innerhalb von zweieinhalb Jahren, also bis etwa Mitte 2028, sollen die künftigen Strukturen und die Aufgabenverteilung festgelegt und die erforderlichen kirchengesetzlichen Regelungen erarbeitet werden.
- Herbsttagung 2026 und Frühjahrstagung 2027: die nächsten inhaltlichen Entscheidungen der Synode zu Strukturen und Gebäuden.
- Anschließend ab 2028: Rechtsetzung, Überleitung in die neuen Strukturen, Wahlen und Gründung.
- 1. Januar 2031: Start der neuen Strukturen.
Welche Arbeitsgruppen gibt es und wozu dienen sie?
Unsere Landeskirche gestaltet Veränderungen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Ein solcher Prozess ist komplex, niemand überblickt ihn vollständig. Deshalb braucht er Beteiligung und viele fachliche Perspektiven, damit die Synode gut entscheiden kann.
Derzeit arbeiten drei Arbeitsgruppen:
- AG Theologie: Welche Zukunftsbilder von Kirche tragen? Sie ist eine Arbeitsgruppe des Theologieausschusses der Landessynode.
- AG Personal: Welches Personal brauchen wir, und wie bleiben wir als Kirche ein attraktiver Arbeitgeber?
- AG Kommunikation: Wie schaffen wir Transparenz und Beteiligung?
Die Themen Strukturen, Finanzen und Gebäude werden in den Ausschüssen der Landessynode bearbeitet, die dafür im April 2026 Arbeitsaufträge erhalten haben.
Wer in den Arbeitsgruppen und Ausschüssen mitwirkt und woran dort gerade gearbeitet wird, finden Sie unter Zukunftsthemen.
Was ist, wenn eine Gemeinde nicht mitmachen will?
Veränderung beginnt erfahrungsgemäß dort, wo Menschen sie tragen wollen, und nicht überall gleichzeitig. Wir setzen deshalb bewusst auf die, die vorangehen und Dinge ausprobieren. Andere kommen später dazu, wenn sichtbar ist, was funktioniert. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
Zugleich bilden alle Gemeinden gemeinsam eine Zeugnis- und Dienstgemeinschaft. Den Rahmen und die Struktur für alle Kirchengemeinden beschließt die Landessynode; rechtlich geregelt ist das in der Verfassung und im Kooperationsgesetz. Jede Gemeinde ist in der Synode durch die gewählten Vertreterinnen und Vertreter ihres Wahlbezirks vertreten.
Wichtig dabei: Es geht nicht darum, dass Gemeinden verschwinden. Sie bleiben bestehen und wirken vor Ort weiter. Daneben soll kirchliches Leben auch an anderen Orten und in anderen Formen entstehen.
3. Beteiligung und Mitgestaltung
Wann und wie werden Kirchenvorstände einbezogen?
Vor der Landessynode im Juni 2025 haben Landesbischof und Synodalpräsidentin jede Kirchengemeinde besucht, den Vorschlag vorgestellt und erste Rückmeldungen aufgenommen.
Inzwischen sind in allen Kooperationsräumen Kooperationsausschüsse gebildet. Dort beraten Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenvorstände gemeinsam über die künftigen Strukturen und über die Zusammenarbeit ihrer Gemeinden. Das ist derzeit der Ort, an dem die Gemeinden den Prozess unmittelbar mitgestalten. Vertreterinnen und Vertreter der Kirchenleitung sind dabei regelmäßig im Kontakt und Austausch mit den Kooperationsausschüssen.
Wann und wie werden beruflich Mitarbeitende einbezogen?
Pastorinnen, Pastoren und Diakoninnen und Diakone begleiten den Prozess seit Beginn in ihren regelmäßigen Konferenzen. Der Vorschlag zur künftigen Struktur wurde im März 2025 in einer gemeinsamen Konferenz vorgestellt, erste Rückmeldungen sind eingeflossen. Auf der Versammlung der landeskirchlichen Mitarbeitenden im April 2025 wurde der Prozess ebenfalls vorgestellt. Seitdem ist der Kirchenentwicklungsprozess regelmäßig Thema in den Pfarrkonferenzen.
Wie werden junge Menschen beteiligt?
Das Jahr 2027 ist als Beteiligungsjahr für junge Menschen vorgesehen. Eine tragende Rolle wird dabei die Jugendkammer haben, die sich im November 2026 neu konstituiert.
Daneben wird die Netzwerkstelle Schule & Bildung 2027 Aspekte zur Netzwerkarbeit einbringen. Diese Netzwerke ermöglichen uns auch Anforderungen Jugendlicher miteinzubeziehen, die keine starke kirchliche Bindung haben.
Wo und wie kann ich mich informieren?
- Newsletter zum Kirchenentwicklungsprozess abonnieren – erscheint monatlich und berichtet über Beratungen, Beschlüsse und nächste Schritte. Kostenlos, Abmeldung jederzeit möglich.
- Beschlüsse & Material – Synodenbeschlüsse, Berichte und Präsentationen zum Nachlesen.
- Zukunftsthemen – wer am Prozess arbeitet und woran.
- Das Kooperationsgesetz in der Rechtssammlung.
- Regelmäßige Artikel im Gemeindebrief.
Ich möchte mich beteiligen – wie geht das?
Über das Formular für Rückmeldungen erreichen Ihre Gedanken, Ideen, Fragen und Ihre fachliche Expertise direkt den Koordinierungsausschuss. Wenn Sie lieber schreiben: kirchenentwicklung@lksl.de.
4. Unterstützung für Kirchengemeinden und Kooperationsräume
Wie und ab wann werden die Kooperationsräume beraten und unterstützt?
Die Kooperationsräume werden bei Bedarf durch Organisationsentwicklerinnen und Organisationsentwickler begleitet. Darüber hinaus können sie zusätzliche Angebote beantragen:
- fachliche Beratung
- Organisationsberatung oder Mediation
- Unterstützung bei Teambildung und gemeinsamen Beratungen
In allen Kooperationsräumen sind Kooperationsausschüsse gebildet, sodass Anträge überall gestellt werden können. Nutzen Sie dafür das Antragsformular für Beratung und Begleitung.
Wenn Sie vorab klären möchten, welche Form der Unterstützung passt, wenden Sie sich an Benjamin Sadler oder an kirchenentwicklung@lksl.de.
5. Finanzen
Wie geschieht die Finanzverteilung künftig?
Die Grundverteilung der Finanzmittel regelt das Finanzausstattungsgesetz der Landeskirche. Es wird von der Landessynode beschlossen. Wie die Mittel in den neuen Strukturen fair verteilt werden, wird derzeit in den zuständigen Ausschüssen der Landessynode beraten. Fragen und Problemanzeigen aus den Kooperationsräumen fließen dort ein.
Wer entscheidet künftig über Rücklagen?
Da die Kirchengemeinden in beiden diskutierten Varianten als Körperschaften des öffentlichen Rechts bestehen bleiben, ist mit dem Wechsel der Struktur nicht automatisch über Vermögen und Rücklagen entschieden. Wie Rücklagen künftig verwaltet und eingesetzt werden, wird im Zuge der kirchengesetzlichen Regelungen festgelegt. Diese Frage ist noch offen, und wir werden sie transparent beantworten, sobald die Beratungen weiter sind.
6. Auswirkungen auf das Personal
Ist mein Arbeitsplatz als Pfarramtssekretärin oder Pfarramtssekretär sicher?
Stellenstreichungen aus strukturellen Gründen sind nicht beabsichtigt. Diese Aufgabe wird voraussichtlich noch wichtiger, sie verändert sich aber: mehr Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg, gebündelte Verwaltungsabläufe, klarere Zuständigkeiten.
Größere Einheiten machen es zudem möglich, Stellen flexibler einzusetzen und Arbeitsplätze auch dann zu sichern, wenn die Gemeindegliederzahlen einzelner Orte schwanken.
Was ändert sich für Pastorinnen, Pastoren, Diakoninnen und Diakone?
Das Aufgabenprofil verschiebt sich: weniger alles selbst durchführen, mehr befähigen und begleiten. Im Vordergrund stehen Gottesdienst und Kasualien, Theologie und geistliche Kommunikation, Leitung und die Begleitung von Menschen, die sich engagieren. Das ordinierte Amt behält dabei sein eigenes Profil, und das Priestertum aller Gläubigen wird ernster genommen als bisher.
Gearbeitet wird künftig stärker in Teams mit unterschiedlichen Berufsgruppen. Dazu gehört auch, die Grenzen ehrenamtlicher Zeitbudgets realistisch einzuschätzen: Beteiligung lässt sich nicht dadurch gewinnen, dass immer mehr Aufgaben weitergegeben werden.
Was bringt die Arbeit im Team auf Ebene des Kirchengemeindeverbands oder Kirchspiels?
Heute muss in jeder Gemeinde im Grunde jede Aufgabe abgedeckt werden, unabhängig davon, wer dafür ausgebildet ist und wer es gerne tut. Ein gemeinsames Team für den Kirchengemeindeverband oder das Kirchspiel verändert genau das:
- Aufgaben lassen sich nach Ausbildung, Begabung und Interesse verteilen, statt sie überall gleichmäßig zu verteilen. Wer gut mit Konfirmandinnen und Konfirmanden arbeitet, kann das für mehrere Orte tun.
- Urlaub, Krankheit und Vakanzen trägt das Team. Die Arbeit vor Ort fällt nicht aus, weil eine Person fehlt.
- Kollegialer Austausch und gegenseitige Beratung gehören zum Arbeitsalltag. Das entlastet, weil niemand schwierige Situationen allein bewältigen muss.
- Die Orte können eigene Schwerpunkte entwickeln, weil das Ganze im Verbund abgedeckt ist. Profil entsteht durch Zusammenarbeit, nicht durch Vollständigkeit an jedem Ort.
- Verwaltung und Organisation lassen sich bündeln. Das schafft Zeit für die Arbeit mit Menschen.
- Klare Rollen und geteilte Verantwortung ersetzen das Gefühl, für alles zuständig zu sein.
Entscheidend ist dabei weniger die Rechtsform als die Haltung der Beteiligten. Die AG Personal arbeitet derzeit an den Grundlagen für die Zusammenarbeit in diesen Teams.
7. Ziele des Prozesses
Was wollen wir durch die Veränderung gewinnen?
- Vielfältige Formen von Glauben und kirchlichem Leben leicht zugänglich machen, in nur einem Schritt.
- Hauptamtliche im Team entlasten und Gesundheit, Zufriedenheit und Wirksamkeit sichern.
- Ehrenamtliches Engagement vor Ort stärken.
- Verwaltung wirksam bündeln.
- Langfristige Lösungen statt vieler kleinteiliger Zwischenschritte.
- Die Vielfalt des evangelischen Glaubens bewahren.
Nur ein Schritt – und ich singe in einem Chor, der zu mir passt. Nur ein Schritt – und ich erlebe einen Gottesdienst, der mich für Gott öffnet. Nur ein Schritt – und ich engagiere mich als Teamerin. Nur ein Schritt – und das Kirchentaxi bringt mich zum Seniorencafé.
Was wollen wir vermeiden?
- Erschöpfung durch lange Diskussionen mit geringem Ergebnis.
- Überlastung von Haupt- und Ehrenamtlichen.
- Ein kirchliches Minimalprogramm, das überall gleich aussieht.
- Entscheidungen unter extremem Zeit- oder Spardruck.
Was endet dabei auch?
Neues braucht Raum. Wir werden Angebote, Gewohnheiten und Gebäude nicht nur ergänzen, sondern auch beenden. Das soll bewusst und dankbar geschehen und nicht dadurch, dass alles gleichzeitig weiterläuft, bis die Kräfte fehlen. Etwas zu beenden ist keine Niederlage, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Wesentliche bleibt.
Wir gehen diesen Weg als eine Gemeinschaft, die aus Hoffnung lebt. Was daraus wächst, ist mehr als die Summe unserer Planungen.
8. Vorteile unserer Landeskirche
Welche Vorteile haben wir als kompakte Landeskirche im Prozess?
- Keine zusätzliche Verwaltungsebene zwischen Kirchengemeinde und Landeskirche.
- Direkter Austausch und echte Einflussmöglichkeiten der Gemeinden.
- Veränderungen sind schnell und unter Beteiligung aller möglich.
- Passgenaue Lösungen für die jeweilige Region.
Austausch zum Kirchenentwicklungsprozess
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Rückmeldung gebenWenn Sie lieber eine E-Mail schreiben: Die Ansprechpersonen für den Kirchenentwicklungsprozess erreichen Sie unter kirchenentwicklung@lksl.de.