2. Tagung der XXI. Landessynode der Ev.-Luth. Landeskirche am 17. u. 18. April 2026 in Heuerßen

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Bischof Schuegraf verteidigt Abgrenzung nach rechts -

Kirchenparlament berät über künftige Zusammenarbeit von Gemeinden

 

Christentum und äußerst rechte politische Bewegungen - das passt aus Sicht des Bischofs von Schaumburg-Lippe nicht zusammen. Vor der Synode begründete er seine Position. Das Kirchenparlament debattierte zudem über künftige Formen der Kooperation.

Der schaumburg-lippische Landesbischof Oliver Schuegraf hat die scharfe Abgrenzung der evangelischen Kirche nach rechts verteidigt. Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien seien für Christen nicht wählbar - diese Überzeugung sei „kein politisches Statement, sondern eine theologische Notwendigkeit“, sagte er am Sonnabend in Heuerßen bei Stadthagen vor der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe. Im Mittelpunkt der Tagung des Kirchenparlaments stand außerdem die zukünftige Entwicklung der Kirche angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen und finanzieller Mittel.

Der Vorwurf, die Kirche solle sich auf die Verkündigung ihrer Botschaft konzentrieren statt auf Politik, greife zu kurz, sagte Schuegraf in seinem Bischofsbericht. Wer Ausgrenzung, Hass oder Antisemitismus propagiere, die freiheitlich-liberale Demokratie diffamiere oder Pluralismus als Bedrohung darstelle, stelle sich außerhalb der christlichen Tradition. Im Sinne des Gebots der Nächstenliebe müsse die Kirche Position beziehen. „Parteipolitische Neutralität heißt also mitnichten Wertneutralität.“

 

Theologin: Über Ortsgemeinde hinausdenken

Vor dem Hintergrund nachlassender gesellschaftlicher Bindekraft und des Mitgliederrückgangs beriet die Synode am Wochenende zudem über mögliche Kirchenreformen. In einem Vortrag forderte die Kieler Theologin Uta Pohl-Patalong, über das Prinzip der Ortsgemeinde hinauszudenken. Der Anspruch, alle Menschen vor Ort anzusprechen, werde schon jetzt nicht erfüllt. Es gelte, arbeitsteilig verschiedene Zugangswege zum Evangelium zu schaffen. Hierfür brauche es auch attraktivere Strukturen für die ehrenamtliche Arbeit.

In der Diskussion ging es um die Frage, wie die 22 Gemeinden der kleinen Landeskirche an der Grenze von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen künftig enger und besser zusammenarbeiten können. Favorisiert wurden dabei entweder das lockere Modell des Gemeindeverbandes oder die verbindlichere Form der Gesamtkirchengemeinde. In beiden Fällen geben die Ortsgemeinden die Verantwortung für Personal und Gebäude, den Haushalt oder die Trägerschaft für Kitas oder Friedhöfe an übergeordnete Gremien ab. Fusionen schlossen die Synodalen aber aus. Jede Gemeinde soll selbstständig bleiben.

Zwei Modelle für Zusammenarbeit

Es gehe darum, die Gemeinden vor Ort von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, erläuterte Kirchensprecher Ulrich Hinz. Nun sollen die beiden Modelle zunächst an der Basis diskutiert werden. Die Synode will dann im Herbst einen Beschluss fassen, um die rechtlichen Voraussetzungen für die Zukunft zu schaffen. Die schaumburg-lippische Landeskirche im nördlichen Landkreis Schaumburg ist mit rund 41.000 Mitgliedern die zweitkleinste unter den 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

(Urs Christian Mundt und Michael Grau, epd)